Silence Radio

Was ein  Film über Radio-Nostalgie mit Zukunft zu tun hat
Ein Gastbeitrag von Katharina Thoms

Da ist das Radio in Deutschland doch gerade 90 Jahre alt geworden. Ein Greisenalter also, in dem man gerne an die Vergangenheit denkt. Und das meist im Ohrensessel – allein. Just da läuft im Wettbewerb für Junges Kino bei DOK Leipzig dieser Film “Silence Radio” über ein Bürgerradio, das alten, einsamen Menschen ein letzter Lebensbegleiter ist – vor ihrem Tod.

 

Erinnerung on air
Das klingt nach Abgesang und Grabrede. Dennoch steckt in dem Film „Silence Radio“ von Valéry Rosier so viel mehr. Er zeigt, was Radio im besten Fall sein kann: Ein Begleiter im Leben (kein Nebenbeimedium) – in dem Fall sind es die französischen Nachkriegs-Chansons, die über die störanfällige Antenne rauschen. In denen 50 Jahre Liebe besungen und Sträuße weißer Rosen verteilt werden. Und die Erinnerung ist immer auch on air. Der Film erzählt vom Enthusiasmus der Macher von „Radio Puisaleine“ – in dem Fall keine Profis, sondern Rentner, die mit der Technik kämpfen, Lebensberatung im Radio liefern und all ihre Leidenschaft in dieses Medium stecken.

Antenne tot – Schweigen
Doch dann stirbt die Antenne. Und „Radio Puisaleine“ schweigt. Und im Ort ist es still. Und die Menschen sind allein… Diesem poetischen Dokumentarfilm, der seinen Protagonisten so nah kommt – so viel sei verraten – gelingt ein versöhnliches Ende.

Hörerin alter Schule

Hörerin alter Schule

 
Jedem sein Radio Puisaleine
Auch wenn dieser Film auf etwas anderes hinauswill – ich will dieses versöhnliche Ende gern weiterspinnen. Die Menschen brauchen auch in Zukunft so etwas wie „Radio Puisaleine“. Dann eben jeder seinen eigenen Begleiter – sein eigenes Radio: Ob mit knacksender Antenne oder als „mobiles Endgerät“. Ob linear oder do-it-yourself. Von begeisterten Machern – wie immer man das auch „produzieren“ und verteilen wird. Im Sinne dieses Films: Un bouquet des roses blanches pour la radio!
 

Porträt-KT-kleinÜber die Autorin: Katharina Thoms ist Medienmacherin mit Auge und Ohr. Steigt für Funk und Fernsehen auf hohe Seilbahnen und lümmelt sich in weiche Sessel. Liebt die Berlinale genauso wie die Radiotage in Tutzing. Derzeit Reporterin und Onlinerin beim SWR in Tübingen. Twittert und bloggt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei „Bärendienst„.

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Eingeordnet unter Radio anno dazumal, Radio für die Augen, Sonstiges

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